Im Fluss der Zeit

wie Lanzeitbelichtungen einfach klappen

Fließendes Wasser, das wie Nebel oder Milch aussieht. Wolken wie gemalt ziehen ihre Bahnen am Himmel. Im Internet finden sich viele Meisterwerke von Langzeitbelichtungen, die am Tag aufgenommen wurden. Die Bilder ziehen mich förmlich in ihren Bann. Deshalb hatte ich mich ein wenig belesen und mir anschließend einen Filter zugelegt, der mir solche Fotografien ermöglichen sollte. Das passierte vor meinem Hiddensee Urlaub, von dem es einige Ergebnisse schon in Still zu sehen gab. Als ich auf Hiddensee an kam, konnte ich mich nicht lange in meiner Herberge aufhalten, das Interesse und Bedürfnis nach ein paar Bildern war zu groß. Auf meiner ersten Runde um den Nord-Westen der Insel fand ich einen Deich, an dem Buhnen angelegt waren. Ich freute mich über das unerwartete Motiv und machte mich auf den Wall. Hier müsste eigentlich die Zensur greifen, ich widersetzte mich dem Warnschild der Lebensgefahr o.O.

So richtig romantisch war es auf den Steinen nicht, feucht von der Meeresluft riefen sie zur Vorsicht. Also suchte ich einen relativ flachen Stein, stellte das Stativ auf und holte die Kamera raus. Getreu den Empfehlungen, bei der Arbeit mit großen Neutraldichtefilter zuerst zu fokussieren und scharf zu stellen, richtete ich alles ein. Anschließend kam der Filter unter größter Vorsicht, ja nichts zu verstellen, drauf. Nach dem die Kamera auslöste hieß es warten. Ich hatte mir das Ziel von 180 Sekunden Belichtungszeit gesetzt. Durch eine kleine Fehlkalkulation und die fortschreitende Dämmerung kam ich jedoch am ende auf 6minuten bei Iso 100 und Blende f/16. Also warten. Ich aß nebenbei etwas Salami und Brot, das noch von meiner Anfahrt übrig war. Das entstandene Bild entschädigte jedoch alles, zudem war mein Hunger nun gestillt.

Tipps zu Langzeitbelichtungen

Während meiner Tage auf Hiddensee habe ich noch mehr Bilder gemacht und dabei Stück für Stück mehr Erfahrung dabei gesammelt. Darum hier eine kleine Liste an Tipps.

  • Ein Stativ ist Pflicht – länger als 1/3s eine Kamera still zu halten ist auch mit dem besten IS schwierig. Aber erst dann wird es interessant.
  • Neutraldichtefilter – wie oben schon beschrieben: ein Filter zur Verlängerung der Belichtungszeit. So lassen sich auch lange Zeiten bei hellerem Licht realisieren. Zu empfehlen ist ein ND1000 beziehungsweise ein ND3.0 – dieser verlängert die Zeit um den Faktor 1000 oder um 10 Blendenstufen.
  • Fernauslöser mit Verriegelungsfunktion – die besten Langzeitaufnahmen entstehen im Bulb-Modus mit Zeiten > 30s. Nach oben ist fast kein Limit gesetzt.
  • Ultra- oder Weitwinkelobjektiv mitnehmen – Landschaftsaufnahmen wirken erst so richtig, wenn sie viel zeigen. Ziehende Wolken und Wasser auf einem Bild -> Weitwinkel.
  • Andere Objektive – auch längere Brennweiten sind nicht unpraktisch wenn man ein bestimmtes Detail genauer hervorheben möchte.

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  1. Schöner Beitrag. Kurz, knackig, prägnant. Findsch gut 😉
    Doch ein ND1000-Filter verlängert die Zeit zwar um das 1000fache, verringert den Lichteinfall jedoch um 10 Blendenstufen statt um 3. (Tippfehler?)

    Gruß, Raphael

  2. Oliver aus Bergisch Gladbach

    20. September 2013 — 13:31

    Vielen Dank für die kurze aber exakte Anleitung !!!

    Möchte mich für die ausführliche und den Laien (in dem Falle ich) Beschreibung/Anleitung der Langzeitbelichtung bedanken. Habe mir die Tipps ausgedruckt und bis auf den ND-Filter bin ich sogar mit dem ausgestattet was Du empfiehlst.

    Werde mir noch heute bei Foto Gregor in Köln den ND-Filter für mein 11-18mm kaufen, bzw, bestellen.
    Freue mich schon auf die Versuche und Ergebnisse.

    Gruß
    Oliver

    • Hallo Oliver

      ich freue mich sehr über dein Lob und vor allem bin ich gespannt auf deine Ergebnisse und Erfahrungen! Vielleicht kannst du im Anschluss an deine Ausflüge hier in den Kommentaren einige deiner Erzeugnisse mit uns teilen.

      Besten Gruß,
      Christian

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Im Fluss der Zeit - Christian Zepter